Das Lernskript
Der Stoff, Schritt für Schritt.
Die Zusammenhänge zuerst, dann die Formel, dann ein Beispiel aus deinen Übungen.
01 · Geldfluss, Erfolg und Kosten
Bei jedem Geschäftsfall helfen zwei getrennte Fragen: Fließt heute Geld? Und: Entsteht heute ein Gewinn oder Verlust? Die Antworten müssen nicht gleich sein.
| Begriff | Was wird betrachtet? | Typische Frage |
|---|---|---|
| Einzahlung / Auszahlung | Bewegung von Kassa und Bankguthaben | Wird das Unternehmen liquider? |
| Ertrag / Aufwand | Erfolg laut Finanzbuchhaltung und UGB | Wird das Unternehmen durch den Geschäftsfall reicher oder ärmer? |
| Leistung / Kosten | Betrieblicher Werteinsatz und Leistung in der internen Rechnung | Was kostet ein Auftrag wirtschaftlich? |
Vermögen entspricht in der vereinfachten Bilanz der Summe der Aktiva. „Reichtum“ meint in den Aufgaben das Eigenkapital = Vermögen − Fremdkapital. Liquidität beschreibt die Zahlungsfähigkeit. Eine Kreditaufnahme erhöht zwar Bankguthaben und Vermögen, aber nicht den Gewinn oder das Eigenkapital.
| Geschäftsfall | Auszahlung? | Aufwand? | Kosten? |
|---|---|---|---|
| PC kaufen und bar bezahlen | Ja | Beim Kauf nein | Beim Kauf nein |
| PC auf Ziel kaufen | Nein | Beim Kauf nein | Beim Kauf nein |
| Bereits verbuchten PC bezahlen | Ja | Nein | Nein |
| Betriebsbedingte Abschreibung des PCs | Nein | Ja | Ja, ggf. andere Höhe |
| Unbezahlte Mitarbeit des Einzelunternehmers | Nein | Nein | Kalkulatorischer Unternehmerlohn möglich |
| Kredit tilgen | Ja | Nein | Nein |
| Betriebsfremde Spende bezahlen | Ja | Ja | Im Kursmodell nein |
Beispiel: Kreditrate
Du bezahlst 1.000 €, davon 900 € Zinsen und 100 € Tilgung. Die Liquidität sinkt um 1.000 €, das Ergebnis nur um 900 €. Die Tilgung verringert eine bereits bestehende Schuld.
Beispiel: Verkauf auf Ziel
Ein Computer mit Buchwert 200 € wird um 100 € verkauft. Der Kunde zahlt später. Ergebnisänderung: 100 − 200 = −100 €. Liquiditätsänderung heute: 0 €. Vereinfachung ohne USt.
Die Finanzbuchhaltung richtet sich nach gesetzlichen Regeln und informiert unter anderem Eigentümer, Banken und Finanzamt. Die Kostenrechnung unterstützt interne Entscheidungen zu Preisen, Produkten und Aufträgen. Kurzfristig muss die Zahlungsfähigkeit gesichert sein, mittelfristig zählt die Rentabilität, langfristig der Unternehmenswert.
Selbstcheck: Macht eine Abschreibung heute weniger liquide?
Nein. Sie vermindert den Buchwert und das Ergebnis; heute fließt dadurch kein Geld ab.
Kursquellen: Foliensatz 1–17; Übung 1; BIF23, Aufgabe 6; DUAL23, Aufgaben 1–3.
02 · Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
Die Bilanz zeigt Bestände an einem Stichtag. Die GuV erklärt Erträge und Aufwendungen eines Zeitraums. Beide hängen über den Jahreserfolg zusammen.
| Aktiva: Mittelverwendung | Passiva: Finanzierung |
|---|---|
| Anlagevermögen: Grundstücke, Maschinen, EDV, Beteiligungen | Eigenkapital: Nennkapital, Kapital- und Gewinnrücklagen, Ergebnis |
| Umlaufvermögen: Vorräte, Forderungen, Kassa, Bankguthaben | Fremdkapital: Rückstellungen und Verbindlichkeiten |
| Aktive Rechnungsabgrenzung | Passive Rechnungsabgrenzung |
Eigenkapital = Vermögen − Fremdkapital
Jahreserfolg = Erträge − Aufwendungen
| Veränderung | Beispiel | Bilanzsumme |
|---|---|---|
| Aktivtausch | Maschine gegen Bankguthaben kaufen | Bleibt gleich |
| Passivtausch | Lieferantenschuld durch Bankkredit ersetzen | Bleibt gleich |
| Bilanzverlängerung | Vorräte auf Ziel kaufen | Steigt |
| Bilanzverkürzung | Lieferantenschuld aus Bankguthaben bezahlen | Sinkt |
Eine Erfolgsbuchung verändert das Eigenkapital. Beispiel: bezahlte Zinsen vermindern Bankguthaben und Eigenkapital. Kapitalzuführungen der Eigentümer ändern ebenfalls das Eigenkapital, sind aber kein Ertrag. „Eigenkapital verändert“ heißt deshalb nicht automatisch „Gewinn oder Verlust“.
Übung 2: sechs Geschäftsfälle nacheinander
Alle Beträge in Mio. €. Ausgangsbilanz: Grundstück 1,0; Forderungen 0,5; Eigenkapital 0,5; Bankkredit 0,5; Lieferantenschuld 0,5.
| Schritt | Änderung | Bilanzsumme | Eigenkapital |
|---|---|---|---|
| 1. Grundstück zu Buchwert verkaufen | Grundstück −1,0; Bank +1,0 | 1,5 | 0,5 |
| 2. Kredit aufnehmen und Maschine kaufen | Maschine +0,5; Bankkredit +0,5 | 2,0 | 0,5 |
| 3. 60 % der Lieferantenschuld umschulden | Lieferant −0,3; Bankkredit +0,3 | 2,0 | 0,5 |
| 4. Restliche Lieferantenschuld bezahlen | Bank −0,2; Lieferant −0,2 | 1,8 | 0,5 |
| 5. Zinsen bezahlen | Bank −0,1; Aufwand 0,1 | 1,7 | 0,4 |
| 6. Maschine um 0,6 auf Ziel verkaufen | Maschine −0,5; Forderung +0,6; Gewinn 0,1 | 1,8 | 0,5 |
Der letzte Verkauf erzeugt für sich 0,1 Mio. Gewinn. Zusammen mit dem vorherigen Zinsaufwand beträgt der kumulierte Erfolg dieser sechs Geschäftsfälle aber 0.
Die GuV lesen
Umsatz, Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen, abzüglich betrieblicher Aufwendungen, ergeben den Betriebserfolg (EBIT). Das Finanzergebnis führt zum Ergebnis vor Steuern (EBT). Nach Ertragsteuern folgt der Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag. Rücklagenbewegungen und Ergebnisvorträge führen weiter zum Bilanzgewinn bzw. Bilanzverlust.
Prüfungsvereinfachung: Manche KöSt-Aufgaben nennen das noch unversteuerte Ausgangsergebnis „Jahresüberschuss“. Im Rechenweg ist es dort als Ergebnis vor der erst zu berechnenden KöSt zu behandeln.
Kursquellen: Foliensatz 18–27; Übung 2; Musterklausur BHF / KommPrüf, Aufgabe 9.
03 · Bewertung und Abschreibung
Nach dem österreichischen UGB steht die vorsichtige Bewertung im Vordergrund: noch nicht realisierte Gewinne grundsätzlich nicht vorwegnehmen, erkennbare Verluste berücksichtigen. Das nennt man Imparitätsprinzip.
Für das Umlaufvermögen gilt das strenge Niederstwertprinzip. Beim Anlagevermögen ist eine außerplanmäßige Abschreibung grundsätzlich bei voraussichtlich dauernder Wertminderung nötig; für Finanzanlagen gibt es auch bei vorübergehender Wertminderung ein Wahlrecht. Das Anschaffungs- bzw. Herstellungskostenprinzip begrenzt den Wertansatz im üblichen UGB-Modell. Siehe UGB §§ 201–207 im RIS.
Kalkulatorische Abschreibung im Kurs = (Wiederbeschaffungswert − Restwert) / betriebsindividuelle Nutzungsdauer
In den Aufgaben ist der Restwert meist null. Buchhalterisch zählt die wirtschaftliche Nutzungsdauer; steuerliche Sonderregeln können abweichen. Die Vorlagen setzen UGB- und steuerliche Abschreibung vereinfachend gleich. In der Kostenrechnung kann der Betrieb andere wirtschaftlich sinnvolle Werte ansetzen.
Beispiel aus BHF
Anschaffungswert 10.000 €, vorgegebene buchhalterische Nutzungsdauer 8 Jahre: 1.250 €/Jahr. Wiederbeschaffungswert 12.000 €, betriebliche Nutzungsdauer 10 Jahre: 1.200 €/Jahr.
Der Kauf einer Anlage ist zunächst eine Aktivierung, nicht sofort Aufwand. Erst Abschreibung bzw. Wertverlust belastet das Ergebnis. Ein Grundstück wird grundsätzlich nicht planmäßig wegen Abnutzung abgeschrieben.
Selbstcheck: Welchen Wert verwende ich bei „kalkulatorisch“?
In diesem Kurs den Wiederbeschaffungswert und die betriebsindividuelle Nutzungsdauer. Die Aufgabenangabe entscheidet über Restwert und Methode.
Kursquellen: Foliensatz 23, 28, 33 und 51; Musterklausur BHF / KommPrüf, Aufgabe 1.
04 · Forderungen, Rückstellungen, Rücklagen und Abgrenzung
Diese Begriffe werden häufig verwechselt. Entscheide zuerst, welches Problem die Buchung lösen soll.
| Situation | Richtige Behandlung | Ergebniswirkung |
|---|---|---|
| Forderung wahrscheinlich teilweise verloren | Wertberichtigung des erwarteten Nettoausfalls | Aufwand |
| Forderung sicher teilweise oder ganz verloren | Forderungsabschreibung; USt bei Uneinbringlichkeit berichtigen | Nettoausfall als Aufwand |
| Ungewisse Verpflichtung / drohender Verlust | Rückstellung auf der Passivseite | Bildung/Erhöhung: Aufwand |
| Aufwand vorausbezahlt, betrifft nächstes Jahr | Aktive Rechnungsabgrenzung (ARA) | Aktuelles Ergebnis steigt |
| Ertrag vorausvereinnahmt, betrifft nächstes Jahr | Passive Rechnungsabgrenzung (PRA) | Aktuelles Ergebnis sinkt |
| Gewinn im Unternehmen binden | Gewinnrücklage im Eigenkapital | Kein betrieblicher Aufwand |
Forderungen: erst netto, dann Ausfallquote
Korrektur = Nettoforderung × erwartete bzw. sichere Ausfallquote
„Zu 70 % einbringbar“ bedeutet 30 % Ausfall. Bei bloß zweifelhaften Forderungen wird die USt noch nicht allein wegen des Zweifels berichtigt. Erst sichere Uneinbringlichkeit löst die entsprechende Berichtigung aus; siehe UStG § 16.
Rückstellungen: nur die Veränderung ist neuer Aufwand
Eine Rückstellung ist keine Rücklage und kein reserviertes Bankkonto. Sie gehört zum Fremdkapital. Beispiele sind Gewährleistungsrisiken, Prozessrisiken, drohende Verluste aus Geschäften, offene Urlaube und betriebliche Pensionszusagen. Voraussetzung und Bewertung hängen vom Sachverhalt ab.
Steigt die erforderliche Rückstellung von 15.000 auf 30.000 €, entstehen 15.000 € zusätzlicher Aufwand. Sinkt sie von 10.000 auf 8.000 €, verbessert die Auflösung von 2.000 € das Ergebnis. Personalrückstellungen werden häufig modellgestützt ermittelt; auch solche Modelle enthalten Schätzannahmen.
Abgrenzung: nur der Teil des Folgejahres
Bei vorausbezahlter Miete: ARA bilden, damit zu viel verbuchter Aufwand aus dem laufenden Jahr verschwindet. Bei vorausvereinnahmter Miete: PRA bilden, damit zu viel verbuchter Ertrag aus dem laufenden Jahr verschwindet. Den Leistungszeitraum aus der Angabe lesen; das Zahlungsdatum allein genügt nicht.
Übung 3 vollständig gerechnet
Vorläufiger Gewinn 100.000 €. Zwei Forderungen zu je 12.000 € brutto: eine nur zu 70 % einbringbar, die andere sicher verloren. Am 30. September wurde außerdem eine Jahresmiete von 12.000 € netto vorausbezahlt; die Lösung unterstellt Oktober bis September. Eine bestehende Rückstellung sinkt von 10.000 auf 8.000 €.
| Korrektur | Ergebnisänderung |
|---|---|
| Wertberichtigung: 12.000 / 1,20 × 30 % | −3.000 € |
| Sicherer Ausfall: 12.000 / 1,20 | −10.000 € |
| ARA: 12.000 × 9/12 | +9.000 € |
| Rückstellungsauflösung | +2.000 € |
| Neuer Gewinn: 100.000 − 3.000 − 10.000 + 9.000 + 2.000 | 98.000 € |
Nach dem Bilanzstichtag bekannt: In den Prüfungen wird unterstellt, dass die neue Information bereits am Stichtag bestehende Verhältnisse aufhellt. Ein erst danach neu entstandenes Ereignis ist anders einzuordnen.
Kursquellen: Foliensatz 28–32; Übung 3; BIF23, Aufgaben 3, 4 und 8.
05 · Umsatzsteuer in Österreich
Das Unternehmen verrechnet Umsatzsteuer auf seine steuerpflichtigen Verkäufe. Abziehbare Umsatzsteuer auf betriebliche Eingangsleistungen heißt Vorsteuer. Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen ist sie im üblichen Aufgabenmodell kein Aufwand. Der private Endverbraucher trägt die Belastung.
Netto = Brutto / (1 + Steuersatz)
USt aus Brutto bei 20 % = Brutto / 6
Bei 1.200 € brutto sind 1.000 € netto und 200 € USt enthalten. Nicht 20 % vom Bruttobetrag abziehen. Der österreichische Normalsteuersatz ist 20 %; ermäßigte Sätze und Ausnahmen hängen von Leistung und Zeitraum ab. In historischen Aufgaben gelten die dort angegebenen Sätze, etwa 10 % für die genannte Miete. Rechtsgrundlage: UStG, insbesondere §§ 10, 12, 19 und 21.
Zwei Vorzeichenkonventionen
Kurs-Saldo = −Umsatzsteuer + Vorsteuer
4.000 € Umsatzsteuer und 2.000 € Vorsteuer bedeuten 2.000 € zu zahlen. In den Kursblättern steht dafür häufig −2.000 €. Ein positiver Kurs-Saldo bedeutet Gutschrift. Im Portal benennt jedes Eingabefeld die gewünschte Konvention.
Übung 12: Produktion und Handel
Produktion verkauft um 2.000 € netto, kauft Vorleistungen um 500 € netto; jeweils 20 % USt. Umsatzsteuer 400 − Vorsteuer 100 = 300 € Zahllast. Handel verkauft um 3.000 € netto und hat aus dem Einkauf 400 € Vorsteuer: 600 − 400 = 200 € Zahllast. Der private Kunde zahlt 3.600 € und trägt 600 € USt insgesamt. Die übrigen 100 € der Steuerkette entfallen auf die vorgelagerte Stufe.
In welchen Monat gehört die Steuer?
Bei Sollbesteuerung knüpft die Steuerschuld grundsätzlich an die Leistung an; verspätete Rechnungslegung kann eine Verschiebung um einen Monat bewirken. Bei Istbesteuerung ist grundsätzlich die Vereinnahmung maßgeblich. Anzahlungen sind gesondert zu beachten. Beim Vorsteuerabzug braucht es grundsätzlich eine ausgeführte Leistung und eine ordnungsgemäße Rechnung, mit gesetzlichen Sonderfällen.
Die UVA und eine allfällige Zahlung sind grundsätzlich am 15. des zweitfolgenden Monats fällig. August → Oktober; Jänner → März. Die Aufgaben rechnen monatlich; in der Praxis gibt es auch quartalsweise Voranmeldungszeiträume. Quelle: USP: Umsatzsteuervoranmeldung.
Selbstcheck: Rechnung im Oktober verbucht, im November bezahlt – noch einmal Vorsteuer im November?
Im Sollbesteuerungsmodell der Aufgabe nein. Die Novemberzahlung erzeugt keinen zweiten Vorsteuerabzug. Bei einer November-Ausgangsrechnung über 600 € brutto ergibt sich deshalb 100 € USt-Zahllast, wenn keine weiteren Novembervorsteuern anfallen.
Kursquellen: Foliensatz 37–39; Übung 12; BIF23 Aufgabe 2; Nachtest23 Aufgaben 2 und 8.
06 · Körperschaftsteuer und Mehr-Weniger-Rechnung
Der UGB-Gewinn und das steuerpflichtige Einkommen sind nicht immer gleich. Die Mehr-Weniger-Rechnung korrigiert den UGB-Ausgangswert für steuerliche Zwecke.
+ steuerlich nicht abzugsfähige Aufwendungen
− steuerfreie Erträge
± weitere steuerliche Korrekturen
− zulässiger Verlustabzug
= steuerpflichtiges Einkommen
| Veranlagungsjahr | Allgemeiner KöSt-Satz |
|---|---|
| Bis 2022 | 25 % |
| 2023 | 24 % |
| Ab 2024, somit 2026 | 23 % |
Quelle für die Sätze: USP: Körperschaftsteuer. Alte Aufgaben werden nach ihrem Jahr bzw. dem ausdrücklich angegebenen Vorlagensatz gerechnet.
Die drei häufigsten Korrekturen
Bewirtung: Die Aufgaben unterstellen regelmäßig 50 % Abzugsfähigkeit. Dann wird die nicht abzugsfähige Hälfte zum Gewinn hinzugerechnet. In der Praxis setzt diese Halbierung insbesondere einen nachgewiesenen Werbezweck und weit überwiegende betriebliche Veranlassung voraus; sie gilt nicht pauschal für jede Bewirtung. Quelle: BMF, EStR Rz 4821–4822.
Beteiligungserträge: Die Beispiele unterstellen steuerfreie Ausschüttungen. Bereits enthaltene steuerfreie Erträge abziehen. Noch nicht gebuchte Erträge zuerst dem UGB-Ergebnis zurechnen, dann steuerlich wieder herausnehmen. Die tatsächliche Befreiung richtet sich nach den Voraussetzungen des § 10 KStG.
Verlustvortrag: Bei Körperschaften dürfen alte Verluste grundsätzlich bis zu 75 % des Gesamtbetrags der Einkünfte verrechnet werden; es gibt Ausnahmen. In den gelieferten Rechenbeispielen greift die Begrenzung betragsmäßig nicht. Quelle: WKO: Verlustverwertung.
Übung 5: KöSt 2025
UGB-Gewinn 100.000 €; darin Bewirtung 4.000 € und steuerfreie Beteiligungserträge 52.000 €. Verlustvortrag 10.000 €.
100.000 + 2.000 − 52.000 = 50.000 vor Verlustabzug.
75%-Grenze: 37.500 €; der Verlustvortrag 10.000 € ist voll nutzbar.
50.000 − 10.000 = 40.000 steuerpflichtig.
40.000 × 23 % = 9.200 € KöSt.
Kursquellen: Foliensatz 40–41; Übung 5; DUAL23 Aufgabe 7; Nachtest23 Aufgabe 6.
07 · Die vier zentralen Kennzahlen
| Kennzahl | Formel | Was sagt sie? |
|---|---|---|
| Eigenkapitalquote | Eigenkapital / Gesamtkapital × 100 | Welcher Anteil ist durch Eigenkapital finanziert? |
| Working Capital | Kurzfristiges Umlaufvermögen − kurzfristiges Fremdkapital | Wie viel kurzfristiges Vermögen bleibt nach kurzfristigen Schulden? |
| Cashflow, Kursvereinfachung | Jahresüberschuss + unbare Aufwendungen − unbare Erträge | Welcher Zahlungsüberschuss ergibt sich ohne weitere Bilanzbewegungen? |
| Schuldentilgungsdauer | (Fremdkapital − liquide Mittel) / Cashflow | Wie viele Jahre würde die Tilgung aus eigener Kraft dauern? |
Liquide Mittel sind Kassa und verfügbares Bankguthaben. Forderungen sind im Working Capital enthalten, aber noch keine liquiden Mittel. Zum Fremdkapital gehören in diesem Modell auch Rückstellungen. Bei der Schuldentilgungsdauer nicht nur Bankkredite zählen, sondern auch die übrigen angegebenen Schulden.
Übung 4: alle Kennzahlen aus einer Bilanz
Maschinen 800.000 €, Bank 100.000 €, Forderungen 100.000 €. Eigenkapital 100.000 €, langfristige Bankkredite 800.000 €, Lieferantenkredite 100.000 €. Umsatz 500.000 €, Personalaufwand 100.000 €, Materialaufwand 200.000 €, Abschreibung 100.000 €.
- Bilanzsumme: 1.000.000 €. Eigenkapitalquote: 100.000 / 1.000.000 = 10 %.
- Jahresüberschuss: 500.000 − 100.000 − 200.000 − 100.000 = 100.000 €. Cashflow: 100.000 + 100.000 = 200.000 €.
- Schuldentilgungsdauer: (800.000 + 100.000 − 100.000) / 200.000 = 4 Jahre.
- Working Capital: 100.000 Bank + 100.000 Forderungen − 100.000 Lieferanten = 100.000 €.
Cashflow ist nicht automatisch die Kontoveränderung
Die Aufgaben lassen Zahlungsziele und weitere Bilanzbewegungen meist weg. Eine vollständige Geldflussrechnung berücksichtigt auch Veränderungen im Working Capital und trennt laufende Geschäftstätigkeit, Investitionen und Finanzierung. Eine Investition oder Kreditaufnahme verändert das Konto, aber nicht unmittelbar den Jahresgewinn. Bei Cashflow null ist die Schuldentilgungsdauer nicht sinnvoll durch Division berechenbar; bei negativem Cashflow besteht keine Tilgung aus einem positiven Überschuss.
Ein hohes Working Capital kann Sicherheit, aber auch starke Kapitalbindung bedeuten. Ein negatives Working Capital kann auf Liquiditätsrisiken hinweisen; die Branche und Zahlungszyklen sind mitzubeurteilen.
Selbstcheck: Gewinn 220.000 €, unbarer Aufwand 80.000 €, unbarer Ertrag 200.000 €?
Cashflow = 220.000 + 80.000 − 200.000 = 100.000 €. Unbare Erträge werden abgezogen, nicht dazugerechnet.
Kursquellen: Foliensatz 42–45; Übung 4; Nachtest23 Aufgaben 4 und 9.
08 · Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger
Kostenart: Welche Kosten fallen an, z. B. Personal oder Material? Kostenstelle: Wo entstehen sie, z. B. IT oder Verwaltung? Kostenträger: Wofür entstehen sie, z. B. Produkt oder Kundenauftrag?
Die Betriebsüberleitung (BÜB) bereinigt die Aufwendungen der Finanzbuchhaltung um neutrale Positionen und berücksichtigt kalkulatorische Unterschiede. Grundkosten entsprechen dem Aufwand, Anderskosten haben eine andere Höhe, etwa kalkulatorische Abschreibung, und Zusatzkosten haben keinen entsprechenden Aufwand, etwa kalkulatorischer Unternehmerlohn.
Einzelkosten werden direkt dem Kostenträger zugerechnet. Gemeinkosten laufen über Kostenstellen und Verteilungsschlüssel. Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ordnet Gemeinkosten den Kostenstellen zu und unterstützt die Ermittlung von Zuschlagssätzen. Ziel ist eine möglichst verursachungsgerechte Zuordnung.
Zwei voneinander unabhängige Unterscheidungen
| Blickwinkel | Erste Kategorie | Zweite Kategorie |
|---|---|---|
| Abhängigkeit von Beschäftigung | Fix: kurzfristig unabhängig von der Leistungsmenge | Variabel: verändert sich mit der Leistung |
| Zurechenbarkeit | Einzelkosten: direkt einem Auftrag zuordenbar | Gemeinkosten: über Schlüssel verteilt |
Fix bedeutet nicht „für immer unveränderbar“. Bei sprungfixen Kosten steigt der Gesamtbetrag nach Überschreiten einer Kapazitätsgrenze. Die kurzfristige Kursbetrachtung behandelt reguläre Gehälter meist als fix; langfristig können sich Kostenstrukturen ändern.
| Übung 8 | Kurzfristige Kurszuordnung |
|---|---|
| Büromaterial für mehrere Aufträge | Variable Gemeinkosten |
| Gehalt der Geschäftsleitung | Fixe Gemeinkosten |
| Computer kaufen | Investition; Kosten erst über die Abschreibung |
| Auftragsbezogene Sublieferanten | Variable Einzelkosten |
| Stromrechnung des Büros | Fixe Gemeinkosten |
| Leihkräfte in der Auftragsabwicklung | Variable Einzelkosten |
| Technikergehälter, über interne Stunden verrechnet | Fixe Gemeinkosten |
Diese Zuordnungen hängen vom gewählten System ab. Gerade Büroenergie und Technikerleistungen könnten in einer anderen Kostenrechnung anders erfasst werden. Für die Prüfung ist die vorgegebene Kurslogik entscheidend.
Zuschlagskalkulation
Material, Fertigungslöhne, Fremdleistungen und zugehörige Gemeinkosten ergeben die Herstellkosten. Mit weiteren Gemeinkosten und Vertriebssonderkosten entstehen die Selbstkosten. Verkaufspreis − Selbstkosten = Gewinn. Immer prüfen, auf welche Basis sich ein Zuschlag bezieht.
Kursquellen: Foliensatz 49–57 und 59; Übung 8.
09 · Deckungsbeitrag und Break-even
Der Deckungsbeitrag zeigt, was nach den variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten übrig bleibt. Er ist noch nicht der Gewinn.
Gesamt-DB = Stück-DB × Absatzmenge
Gewinn = Gesamt-DB − Fixkosten
Break-even-Menge = Fixkosten / Stück-DB
Die einfache Formel setzt einen positiven Stück-DB und konstante Preise bzw. variable Stückkosten im betrachteten Bereich voraus. Bei unteilbaren Produkten auf die nächste ganze Einheit aufrunden. Bei mehreren Produkten zählen die Deckungsbeiträge aller Produkte gemeinsam.
Übung 6: Wie viele Stück C fehlen?
| Produkt | Preis | Variable Material- und Lohnkosten | Stück-DB | Menge | Gesamt-DB |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 100 € | 40 + 20 = 60 € | 40 € | 100 | 4.000 € |
| B | 80 € | 20 + 10 = 30 € | 50 € | 200 | 10.000 € |
| C | 50 € | 20 + 20 = 40 € | 10 € | ? | ? |
Fixkosten 20.000 €. A und B decken 14.000 €. Es fehlen 6.000 €: 6.000 / 10 = 600 Stück C.
Die Formel umstellen
Variable Stückkosten am Break-even = Preis − Fixkosten / Menge
Menge für Zielgewinn = (Fixkosten + Zielgewinn) / Stück-DB
DB-Quote = Gesamt-DB / Umsatz × 100
Für kurzfristige Zusatzaufträge bei freier Kapazität ist der zusätzliche Deckungsbeitrag entscheidend. Bei Engpässen kommen verdrängte Beiträge hinzu. Langfristig müssen auch fixe Kosten verdient werden; ein positiver DB allein beweist keine langfristige Wirtschaftlichkeit.
Selbstcheck: 1.000 Stück, Preis 10 €, variable Kosten 8 €, Fixkosten 1.800 €?
Stück-DB 2 €, Gesamt-DB 2.000 €, Gewinn 200 €. Break-even bei 1.800 / 2 = 900 Stück.
Kursquellen: Foliensatz 61–63; Übung 6; BHF Aufgabe 2; BIF23 Aufgabe 9.
10 · Stufenweise Deckungsbeitragsrechnung
Die stufenweise Rechnung zieht Fixkosten dort ab, wo sie verantwortet werden: zuerst beim Produkt, dann bei der Gruppe bzw. beim Bereich und schließlich beim ganzen Unternehmen.
DB 1 − Produktfixkosten = DB 2
Summe DB 2 − Produktgruppenfixkosten = DB 3
Summe DB 3 − Bereichsfixkosten = DB 4
Summe DB 4 − Unternehmensfixkosten = Betriebsergebnis
Die Zahl der Stufen hängt von der Organisation ab. Folie 62 und Übung 9 unterscheiden sich deshalb im Detail. Rechne immer mit den Ebenen der jeweiligen Angabe.
Übung 9: Produkt 6 prüfen
Alle Beträge in 1.000 €. Unternehmensgewinn 30. Produkt 6 erzielt Umsatz 33 und variable Kosten 32, daher DB 1 = 1. Nach Produktfixkosten 19 entsteht DB 2 = −18. Die gesamte Produktgruppe 2 hat DB 3 = −13.
Wenn Produkt 6 entfällt und alle Produktfixkosten 19 wegfallen, verbessert sich das Ergebnis um 19 − 1 = 18, also auf 48. Sind diese Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar, entfällt nur der positive DB 1; das Ergebnis sinkt auf 29.
Ein negativer DB 2 ist ein Anlass zur Analyse, kein automatischer Streichungsbefehl. Prüfe Abbaubarkeit der Fixkosten, Verbundeffekte, Nachfrage und strategische Bedeutung. Gemeinsame Gruppenfixkosten verschwinden nicht schon deshalb, weil ein einzelnes Produkt wegfällt.
Kursquellen: Foliensatz 62; Übung 9, Tabelle1 und Lösung.
11 · Produktive Stunden und Stundensätze
Der Stundensatz muss die Kosten über jene Stunden verdienen, die tatsächlich auf Aufträge verrechnet werden können. Deshalb genügt es nicht, durch alle bezahlten Stunden zu teilen.
Produktive Stunden = Anwesenheit × Produktivitätsquote
Interner Stundensatz = zu deckende Jahreskosten / produktive Jahresstunden
Verkaufspreis pro Stunde = interner Stundensatz × (1 + Gewinnaufschlag)
Bei mehreren Mitarbeitern zuerst die gesamte produktive Kapazität bilden. Urlaub und Produktivität werden nacheinander multipliziert, nicht ihre Prozentsätze beliebig addiert. Sind bereits Anwesenheitsstunden gegeben, Abwesenheiten nicht nochmals abziehen.
Übung 7: Eigenpersonal und Leihkräfte
Kosten einschließlich Umlagen 2,8 Mio. €. Von 22 angestellten Mitarbeitern schreiben nur 20 Leistungsnachweise. Je 2.000 Jahresstunden, 15 % Abwesenheit und 75 % produktive Anwesenheit. Zusätzlich zwei Leihkräfte mit je 2.250 vollständig auftragsbezogenen Stunden.
Eigenpersonal: 20 × 2.000 × 0,85 × 0,75 = 25.500 h.
Leihkräfte: 2 × 2.250 = 4.500 h.
Gesamtkapazität: 30.000 h.
Stundensatz: 2.800.000 / 30.000 = 93,33 €/h.
Die Kosten für Leitung und Sekretariat bleiben im Zähler, obwohl diese Personen hier keine direkt verrechenbaren Stunden liefern.
Aufschlag und Marge unterscheiden: 20 % Aufschlag auf Kosten von 50 € ergibt 60 €. Eine Gewinnmarge von 20 % des Verkaufspreises würde dagegen 50 / 0,80 = 62,50 € verlangen. Die Prüfungen fragen nach Aufschlag.
Kursquellen: Foliensatz 60 und 67; Übung 7; BIF23 Aufgabe 5; Nachtest23 Aufgabe 7.
12 · Personalkosten in Österreich
Das Bruttogehalt ist weder der Nettobezug noch die gesamte Arbeitgeberbelastung. Zum Brutto kommen Arbeitgeberabgaben, Sonderzahlungen und gegebenenfalls freiwillige Leistungen. Vom Brutto werden beim Arbeitnehmer Sozialversicherung und Lohnsteuer abgezogen.
Jahresbelastung = Bruttomonatsgehalt × 12 × (1 + Nebenkostenzuschlag)
Bruttomonatsgehalt = Jahresbelastung / [12 × (1 + Zuschlag)]
In den Übungsbeispielen umfasst der pauschale Zuschlag von 60 % bereits die Sonderzahlungen. Deshalb nicht zusätzlich mit 14 multiplizieren. Das ist eine Kalkulationsannahme, keine allgemeingültige österreichische Abgabenquote.
Übung 11: Anstellung oder Werkleistung?
Bruttomonatsgehalt 3.000 €, vereinfachter Gesamtzuschlag 60 % einschließlich freiwilliger Leistungen: 3.000 × 12 × 1,60 = 57.600 € pro Jahr. Werkvertragsleistung: 38 €/h × 1.500 h = 57.000 €. Im reinen Kostenvergleich ist die Werkleistung 600 € günstiger.
Die Vertragsform ergibt sich aus der tatsächlichen Tätigkeit und Zusammenarbeit. Sie lässt sich nicht allein nach dem billigeren Rechenergebnis auswählen. Die in der Lösung genannten Merkmale sind Anhaltspunkte und keine einzeln ausreichenden Voraussetzungen.
Jahresabhängige Werte nicht auswendig vermischen
Die monatliche ASVG-Höchstbeitragsgrundlage beträgt 2022: 5.670 € und 2026: 6.930 €. Für Sonderzahlungen gilt 2026 eine eigene jährliche Grenze von 13.860 €. Quellen: Sozialversicherung 2022 und ÖGK 2026.
Die Prozentübersicht auf Folie 65 ist keine verlässliche aktuelle Lohnabrechnung: Der Dienstgeberbeitrag beträgt 2026 grundsätzlich 3,7 % statt der dortigen 3,9 %. Der Wohnbauförderungsbeitrag liegt 2026 in Wien insgesamt bei 1,5 %, sonst grundsätzlich 1 %. Zuschläge und Beitragsgrenzen haben jeweils eigene Grundlagen. Quellen: USP: Lohnverrechnung und ÖGK: Sozialversicherungswerte 2026.
Kursquellen: Foliensatz 64–67; Übung 11; DUAL23 Aufgabe 10.
13 · Projektbudget, Prognose und Soll-Ist-Vergleich
Unterscheide drei Planstände. Nur so erkennst du, ob ein Projekt wegen zusätzlichen Leistungsumfangs größer wird oder ob dieselbe Leistung teurer als geplant entsteht.
| Planstand | Was gehört hinein? |
|---|---|
| Basisbudget | Kalkulation zum Vertragsabschluss |
| Budget inkl. Leistungsänderungen | Genehmigte Zusatzaufträge und nach Kurslogik Umschichtungen zwischen Eigen- und Fremdleistung |
| Aktuelle Prognose / aktueller Plan | Angepasstes Budget plus aktuelle Mehrkosten, Einsparungen und sonstige Abweichungen |
Eine ungeplante Lohnerhöhung ändert nicht nachträglich das Vergleichsbudget. Sie belastet die Prognose. Ein Kunden-Zusatzauftrag verändert hingegen den Leistungsumfang und damit das angepasste Budget.
BIF 2023: zwei unterschiedliche Änderungen
Budget: Eigenleistungen 80.000 €, Fremdleistungen 130.000 €, Erlöse 250.000 €. Zusatzauftrag: Erlöse +10.000 €, Fremdleistungen +8.000 €. Lohnerhöhung: Eigenleistungen +5.000 €.
Budget inkl. Leistungsänderungen: 260.000 − 80.000 − 138.000 = 42.000 € Gewinn.
Prognose: 260.000 − 85.000 − 138.000 = 37.000 € Gewinn.
Übung 10: mit Gemeinkosten und Finanzierung
Ausgangsdaten und Veränderungen ergeben diese verdichtete Rechnung. Kosten sind hier zur Übersicht als positive Beträge dargestellt; in der Excel-Lösung stehen sie negativ.
| Position | Basisbudget | Inkl. Leistungsänderungen | Prognose |
|---|---|---|---|
| Eigenleistung Projektleitung | 100.000 | 50.000 | 50.000 |
| Eigenleistung Planung | 80.000 | 80.000 | 100.000 |
| Fremdleistung Projektleitung | 0 | 50.000 | 50.000 |
| Technische Beratung | 0 | 0 | 40.000 |
| Lieferung 1 | 300.000 | 300.000 | 290.000 |
| Lieferung 2 | 150.000 | 180.000 | 180.000 |
| Gemeinkosten 10 % auf obige Kosten | 63.000 | 66.000 | 71.000 |
| Finanzierung | 10.000 | 10.000 | 8.000 |
| Gesamtkosten | 703.000 | 736.000 | 789.000 |
| Erlöse | 740.000 | 800.000 | 800.000 |
| Gewinn | 37.000 | 64.000 | 11.000 |
Die Umschichtung 50.000 und der Zusatzauftrag (30.000 Kosten, 60.000 Erlöse) gehören ins angepasste Budget. Planungsfehler +20.000, technische Beratung +40.000 und Einsparung bei Lieferung 1 −10.000 wirken erst in der Prognose. Finanzierung: 100.000 durchschnittlich gebundenes Kapital × 2 Jahre × 5 % = 10.000; bei 4 % nur 8.000 €. Die Prognose liegt beim Gewinn 53.000 € unter dem angepassten Budget.
Bestellung, erbrachte Leistung, Eingangsrechnung und Zahlung sind unterschiedliche Zeitpunkte. Bestellwert ≠ Istkosten ≠ Istzahlungen. Eine bezahlte Anzahlung kann bereits Geldabfluss sein, obwohl die Leistung und damit die Projektkosten noch fehlen. Bei Kostenvergleichen außerdem prüfen, ob der Leistungsfortschritt vergleichbar ist.
Kursquellen: Foliensatz 68–70; Übung 10; BIF23 Aufgabe 1; DUAL23 Aufgabe 8.
14 · Jahresabschluss, Konzern und Insolvenz
Organisation und Abschluss
Operative Bereiche liefern Informationen zu Rechnungen, Projektfortschritt und Risiken. Die Buchhaltung kann diese Sachverhalte nicht allein aus Kontobewegungen erkennen. Die Unternehmensleitung trägt die Verantwortung für den Abschluss; ein Abschlussprüfer prüft ihn unabhängig.
Bilanz und GuV bilden den Kern des Jahresabschlusses. Bei Kapitalgesellschaften kommt grundsätzlich ein Anhang hinzu, mit Erleichterungen für Kleinstgesellschaften. Je nach Größe und Rechtsform sind weitere Berichte und eine Abschlussprüfung erforderlich. Kapitalgesellschaften stellen grundsätzlich innerhalb von fünf Monaten auf; die Offenlegung beim Firmenbuch erfolgt grundsätzlich binnen neun Monaten. Quellen: USP: Bilanz und GuV und Erstellung und Prüfung.
| Größenklasse: Obergrenzen | Bilanzsumme | Umsatz | Beschäftigte |
|---|---|---|---|
| Kleinst | 450.000 € | 900.000 € | 10 |
| Klein | 6,25 Mio. € | 12,5 Mio. € | 50 |
| Mittelgroß | 25 Mio. € | 50 Mio. € | 250 |
Für die Einordnung sind grundsätzlich zwei von drei Merkmalen und die gesetzlichen Regeln über aufeinanderfolgende Abschlussstichtage maßgeblich. Große Gesellschaften überschreiten die entsprechenden Grenzen; Sonderregeln bestehen etwa für Unternehmen von öffentlichem Interesse. Kleine AGs können trotz ihrer Größe prüfungspflichtig sein. Quelle: USP: Kapitalgesellschaft.
Konzernkonsolidierung und IFRS
Ein Konzernabschluss zeigt die wirtschaftliche Gruppe als Einheit. Bei der Schuldenkonsolidierung verschwinden konzerninterne Forderungen und Verbindlichkeiten. Bei der Zwischenergebniseliminierung verschwinden interne Gewinne, soweit sie aus Konzernsicht noch nicht gegenüber Dritten realisiert sind.
Beispiel: Muttergesellschaft verkauft Vorräte mit 30 Gewinn an die Tochter. Solange diese noch im Konzern lagern, ist der interne Gewinn im Konzernabschluss zu eliminieren. Beherrschung ist für die Einbeziehung entscheidend; „mehr als 50 %“ ist nur die Kursvereinfachung.
Die IFRS-Gegenüberstellung auf Folie 33 ist ein Überblick: Wertansätze, Entwicklungskosten und Umsatzrealisierung können sich vom UGB unterscheiden. Eine Umsatzrealisierung über die Zeit gilt nach IFRS nicht automatisch für jeden langfristigen Vertrag. Die hier gerechneten Abschlussaufgaben folgen dem österreichischen UGB-Kursmodell.
Bilanzpolitik und Insolvenz
Bilanzpolitik nutzt zulässige Wahlrechte und Beurteilungsspielräume, etwa bei Bewertungen und Rückstellungen. Sie erlaubt keine beliebigen Zahlen.
Negatives Eigenkapital ist ein Warnsignal und erfordert weitere Prüfung; es ist nicht automatisch mit insolvenzrechtlicher Überschuldung gleichzusetzen. Zahlungsunfähigkeit betrifft die Bedienbarkeit fälliger Schulden. Bei vorliegenden Insolvenzgründen ist grundsätzlich ohne schuldhaftes Zögern, spätestens innerhalb von 60 Tagen, der Antrag zu stellen. Die Frist ist keine allgemeine Erlaubnis zum Abwarten. Quelle: USP: Insolvenz.
Die Folienformulierung zur Veröffentlichung in der „Wiener Zeitung“ ist für 2026 kein verlässlicher aktueller Ablauf. Maßgeblich sind die aktuellen Offenlegungsvorschriften; die konkrete Pflicht hängt von Rechtsform und Größe ab. Siehe UGB § 277.
Kursquellen: Foliensatz 19, 26–27, 33–35 und 46–48.
15 · So gehst du in der Prüfung vor
- Jahr und Einheit markieren. 2022-KöSt ist nicht 2026-KöSt. „In 1.000 €“ nicht übersehen.
- Gefragte Größe benennen. Gesamt-DB oder Stück-DB? Gewinn oder Cashflow? Aufwand oder Auszahlung?
- Brutto und netto trennen. Bei vollem Vorsteuerabzug Nettobeträge für Kosten und Ergebniskorrekturen verwenden.
- Zeitpunkt prüfen. Kauf, Zahlung, Abschreibung und Periodenabgrenzung sind verschiedene Vorgänge.
- Formel vor Zahlen schreiben. So erkennst du, welche Daten du wirklich brauchst.
- Vorzeichen und Plausibilität kontrollieren. Mehr Aufwand muss das Ergebnis senken. Weniger produktive Stunden müssen den Stundensatz erhöhen.
Häufige Stolperstellen auf einen Blick
| Falle | Bessere Denkregel |
|---|---|
| Fixkosten bereits beim DB abziehen | Erst DB, danach Gewinn |
| Zinsen und Tilgung gemeinsam als Aufwand | Nur Zinsen sind Aufwand |
| Bei „80 % einbringbar“ 80 % abschreiben | Ausfallquote = 20 % |
| Bei Rückstellungserhöhung den ganzen Endbestand als Aufwand | Nur die Erhöhung ist zusätzlicher Aufwand |
| Verkauf auf Ziel als Einzahlung ansehen | Forderung entsteht; Geld kommt später |
| Produkt mit negativem DB 2 sofort streichen | Prüfen, ob die Fixkosten tatsächlich entfallen |
| Gehaltszuschlag inklusive Sonderzahlungen nochmals mit 14 rechnen | Im Kursmodell 12 × (1 + Zuschlag) |
| Preiserhöhung als Leistungsänderung ins Budget nehmen | Bei gleichem Umfang nur die Prognose ändern |
Empfohlene Lernreihenfolge: Grundlagen und Bilanz → Abschlussbuchungen → Kennzahlen und Steuern → Kostenrechnung und Projektplanung. Danach eine Probeklausur ohne Hilfen bearbeiten und die in der Auswertung verlinkten Themen wiederholen.
Kursquellen: Zusammenführung der 12 Übungen und der 7 eindeutigen Prüfungsvarianten.
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